Training mit der Faszienrolle

Training mit der Faszienrolle
Training mit der Faszienrolle

Allgegenwärtige Faszien  Als vor einiger Zeit der große Hype um das Thema Faszien losgetreten wurde freute ich mich erst einmal sehr. Endlich wurde diesem Wunderwerk der Natur die verdiente Aufmerksamkeit zuteil – dachte ich.

Ich freute mich, dass so die Information über die Bedeutung unseres Bindegewebes einem breiten Publikum zugänglich wird und ich nicht immer wieder jedem neuen Patienten die umfangreichen Zusammenhänge erklären muss.

Um für meine Arbeit auf dem Laufenden zu bleiben schaltete ich einen Internet-Dauersuchauftrag zum Thema Faszien und Bindegewebe. Zu Beginn häuften sich die Publikationen, welche das Fasziensystem erklärten und über neue wissenschaftliche Forschungsergebnisse berichteten. In allen großen Illustrierten wurde das Thema groß aufgezogen. Mittlerweile beschränken sich die Suchergebnisse allerdings fast nur noch auf Artikel, welche für Faszientrainings mit – oder seltener auch ohne – Rolle werben.

Faszienrollen als Allheilmittel? Wenn ich nun einen Faszienworkshop anbiete erwarten potenzielle Teilnehmer, die ich nicht vorher eines Besseren belehrt habe, dass im Kurs ihr schmerzendes oder erschlafftes Gewebe mittels irgendwelcher Rollen oder Bälle gewalgt wird. Der Erklärungsbedarf über die darüber hinaus gehende Bedeutung des Bindegewebes und seiner psychosomatischen Dimension besteht unverändert bzw. hat sich sogar erhöht, da man ja auf Grund der manchmal doch sehr oberflächlichen Informationen der Meinung ist, jeden Schmerz einfach „wegrollen“ zu können.

Gerade im Hinblick auf die Behandlung von Schmerzen halte ich diese Herangehensweise für sehr problematisch. Wie schon in meinem Blogartikel  „Schock und Trauma“ erläutert sind in unserem Bindegewebe vielfältige Informationen gespeichert und es ist nie auszuschließen, dass über eine nicht ausreichend achtsame Herangehensweise eine unerwünschte Aktivierung von Themen erfolgt, die dann nicht adäquat beantwortet werden. Auf diese Weise kann es dann sein, dass es zu „Symptomverschiebungen“ oder noch schlimmer zu einer Retraumatisierung kommt.

 

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